Wissen › Fliesen- und Plattenarbeiten
Rutschhemmung R9 bis R13 — und wann sie gefordert ist
Zwei Reihen, die ständig verwechselt werden: R9 bis R13 für Flächen, die mit Schuhen begangen werden, und A bis C für Barfußbereiche. Dazu der Verdrängungsraum, der nur in bestimmten Fällen überhaupt eine Rolle spielt.
Zwei getrennte Reihen
Die R-Gruppen nach DIN 51130 beschreiben die Rutschhemmung im begangenen Zustand mit Schuhwerk. Ermittelt wird sie auf der schiefen Ebene: Je größer der Neigungswinkel, den eine Prüfperson noch sicher begehen kann, desto höher die Gruppe.
Die Bewertungsgruppen A, B und C nach DIN 51097 gelten für nassbelastete Barfußbereiche. Sie werden nach demselben Prinzip ermittelt, aber barfuß und mit benetzter Fläche.
Eine Fliese kann beides tragen — etwa R10 und B. Wer nur „rutschhemmend" ins Angebot schreibt, hat keine der beiden Angaben gemacht.
Wo welche Gruppe hingehört
| Bereich | Reihe | Praxis |
|---|---|---|
| Wohnräume, trockene Flure | R9 | Untere Gruppe genügt. Die meisten Bodenfliesen erfüllen sie ohnehin. |
| Privatbad, Küche im Wohnbereich | R9 bis R10 | Keine gesetzliche Vorgabe. R10 hat sich eingebürgert, weil es Streit erspart. |
| Duschbereich privat, barfuß | B | Barfußreihe. Wird oft vergessen, weil man an R-Gruppen denkt. |
| Gewerbliche Küchen, Werkstätten | R11 bis R13 | Hier gibt es Vorgaben. Grundlage ist die DGUV-Regel, nicht die Norm allein. |
| Umkleiden, Duschanlagen gewerblich | B bis C | Barfußreihe, je nach Nässe und Gefälle. |
Für private Bäder schreibt keine Norm eine Rutschhemmung vor. Verlangt wird sie über die DGUV-Regeln nur dort, wo Beschäftigte arbeiten.
Das heißt nicht, dass sie egal ist: Wer im Angebot keine Gruppe nennt und der Bauherr rutscht später aus, steht schlechter da als der, der R10 angeboten und ausgeführt hat. Schreib die Gruppe hin, auch wenn niemand danach fragt.
Der Verdrängungsraum
V4 bis V10 geben an, wie viel Flüssigkeit die Struktur der Oberfläche aufnehmen kann, bevor sie überläuft. Gemeint sind Fliesen mit Noppen, Rillen oder offener Struktur.
Gefordert wird das dort, wo dauerhaft Flüssigkeit oder Fett auf dem Boden steht — Großküchen, Lebensmittelbetriebe, Nassbereiche in der Industrie. Im Wohnungsbau kommt es praktisch nie vor.
V-Stufen und R-Gruppen sind unabhängig voneinander. Eine Fliese mit V8 ist nicht automatisch sicherer als eine mit R11 ohne V-Angabe — sie kann nur mehr Flüssigkeit aufnehmen.
Und der praktische Preis: Strukturierte Oberflächen sind erheblich schwerer zu reinigen. Wer sie ohne Not anbietet, bekommt Ärger mit dem Nutzer statt Dank.
Was daraus fürs Angebot folgt
- Gruppe je Fläche nennen, nicht je Raum. Duschboden und übriger Badboden können verschieden sein.
- Bei Barfußbereichen die Buchstabenreihe verwenden — A, B, C statt R-Gruppe.
- Bei gewerblichen Objekten die Vorgabe des Bauherrn einholen, schriftlich. Der Betreiber kennt seine Gefährdungsbeurteilung, du nicht.
- Verdrängungsraum nur anbieten, wenn er verlangt ist. Sonst verkaufst du eine Oberfläche, über die sich später jeder beim Putzen ärgert.
Faveno fragt nach Bereich und Nutzung
Statt eine Gruppe zu raten, beantwortest du, wo verlegt wird und ob barfuß oder mit Schuhwerk. Faveno setzt die passende Angabe in den Positionstext — getrennt für Boden und Wand.
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Stand: September 2026. Diese Seite gibt Erfahrungswerte aus der Angebotspraxis wieder und ersetzt weder die Norm noch eine fachliche Prüfung im Einzelfall. Maßgeblich ist die jeweils gültige Fassung der DIN 51130 und DIN 51097.