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F30 bis F90: warum Brandschutz eine Systemfrage ist

Der häufigste und teuerste Irrtum im Trockenbau: dass eine Platte „F90" sei. Ist sie nicht. Die Klassifizierung gilt immer für die gesamte geprüfte Konstruktion — und wer daran etwas ändert, hat keine mehr.

Was klassifiziert wird

F30, F60, F90 und F120 geben an, wie lange eine Konstruktion im Brandversuch ihre Funktion behält. Die Zahl steht für Minuten. In der europäischen Reihe heißt dasselbe EI 30 bis EI 120.

Geprüft und klassifiziert wird die vollständige Konstruktion: Ständerwerk mit festgelegtem Profil und Abstand, festgelegte Dämmung, festgelegte Beplankung in Lagenzahl und Dicke, festgelegte Befestigung und Fugenausbildung, dazu die Anschlüsse an Decke, Boden und angrenzende Bauteile.

Eine Platte hat keine Feuerwiderstandsklasse

Der Baustoff hat eine Baustoffklasse — nicht brennbar, schwer entflammbar. Das ist etwas anderes als die Feuerwiderstandsklasse der Wand.

Wer „F90-Platten" bestellt und daraus eine Wand baut, die nicht dem geprüften Aufbau entspricht, hat eine Wand ohne Klassifizierung. Und damit ein Bauteil, das nicht abgenommen wird.

Was den Aufbau festlegt

GrößeWarum sie festliegt
Profiltyp und -stärkeGeprüft wurde ein bestimmtes Ständerwerk. Ein anderes ist ein anderer Aufbau.
StänderabstandGrößere Abstände verändern das Verhalten der Beplankung im Brandfall.
BeplankungLagenzahl und Plattendicke je Seite sind Bestandteil der Prüfung.
DämmungArt, Rohdichte und Schmelzpunkt sind festgelegt — nicht jede Mineralwolle ist gleich.
BefestigungSchraubenabstand und -länge gehören zum geprüften Aufbau.
AnschlüsseDecken- und Bodenanschluss, Fugen und Durchdringungen entscheiden mit.

Deshalb wird im Trockenbau nach Systemen gearbeitet. Die Hersteller veröffentlichen ihre geprüften Aufbauten mit Nummer. Diese Nummer gehört ins Angebot — sie ist der Nachweis.

Die Bauhöhe begrenzt mit

Jeder Systemaufbau gilt bis zu einer bestimmten Wandhöhe. Darüber ändert sich das Profil, der Ständerabstand oder beides. Die zulässige Höhe ist keine Empfehlung, sondern Bestandteil der Klassifizierung.

Praktischer Hinweis: Im Altbau sind Raumhöhen von über drei Metern normal. Ein Aufbau, der im Neubau passt, kippt dort in die nächste Kategorie — mit anderem Profil, mehr Material und höherem Preis.

Durchdringungen

Jede Leitung, jede Dose und jeder Kanal durch eine klassifizierte Wand braucht eine eigene Lösung — Brandschutzmanschette, Schott, versetzte Dosenanordnung. Das sind eigene Positionen, und sie fehlen in Angeboten fast immer.

Elektrodosen sind der Klassiker

Zwei Steckdosen, die sich in einer F90-Wand gegenüberliegen, machen die Klassifizierung an dieser Stelle zunichte. Der geprüfte Aufbau verlangt einen Versatz oder eine besondere Dosenausführung.

Wer das erst beim Abnahmetermin erfährt, öffnet die Wand wieder.

Was daraus fürs Angebot folgt

  1. Systemnummer nennen, nicht nur „F90". Ohne Aufbaunachweis ist die Zusage wertlos.
  2. Wandhöhe erfassen und prüfen, ob der Aufbau sie noch trägt.
  3. Durchdringungen zählen und einzeln anbieten — Dosen, Leitungen, Kanäle.
  4. Nicht mischen. Beplankung, Dämmung und Profile aus einem System, sonst gibt es keinen Nachweis.

Faveno kennzeichnet, wo es nicht mehr deine Entscheidung ist

Bei Brandschutz rechnet Faveno nicht einfach weiter. Die App kennzeichnet die Position und weist darauf hin, dass ein geprüfter Systemaufbau und gegebenenfalls ein Fachplaner nötig sind — statt eine Zahl zu erfinden.

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Stand: September 2026. Diese Seite gibt Erfahrungswerte aus der Angebotspraxis wieder und ersetzt weder die Norm noch eine fachliche Prüfung im Einzelfall. Maßgeblich ist die jeweils gültige Fassung der DIN 4102 beziehungsweise DIN EN 13501.